Sanierung

Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP): Was er kostet und warum er sich fast immer lohnt

Der iSFP kostet nach BAFA-Förderung oft nur rund 1.000 Euro, bringt aber 5 % Extra-Förderung und verdoppelt die förderfähigen Kosten. So funktioniert er.

Veröffentlicht am
20.05.2025
10
min Lesezeit

Ein individueller Sanierungsfahrplan klingt nach Bürokratie, nach einem weiteren Dokument, das Geld kostet und in der Schublade landet. Tatsächlich ist der iSFP eines der wenigen Förderinstrumente, das sich fast immer rechnet. Er kostet Sie nach Abzug der BAFA-Förderung oft nur rund 1.000 Euro, bringt aber 5 Prozent Extra-Förderung auf spätere Maßnahmen und verdoppelt die förderfähige Kostengrenze. Dieser Artikel erklärt, was der iSFP ist, was er konkret kostet und warum er sich meist schon nach der ersten umgesetzten Maßnahme amortisiert.

Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan?

Der individuelle Sanierungsfahrplan, kurz iSFP, ist das Ergebnis einer geförderten Energieberatung. Ein zertifizierter Energieberater nimmt Ihr Gebäude bei einem Vor-Ort-Termin auf, analysiert den energetischen Ist-Zustand und entwickelt daraus einen aufeinander abgestimmten Sanierungsplan, entweder als Schritt-für-Schritt-Strategie über mehrere Jahre oder als Weg zur Komplettsanierung.

Er ist nicht einfach eine Liste mit Maßnahmen, sondern ein nachvollziehbarer Plan, der den Ist-Zustand erfasst, Prioritäten setzt und aufzeigt, wie Sanierungen sinnvoll umgesetzt werden. Orientiert ist er nicht nur an technischer Machbarkeit, sondern auch an Wirtschaftlichkeit und Förderfähigkeit.

Aus welchen Dokumenten besteht ein iSFP?

Ein individueller Sanierungsfahrplan besteht aus zwei Dokumenten: dem eigentlichen Sanierungsfahrplan und der Umsetzungshilfe. Der Sanierungsfahrplan enthält den Maßnahmenplan, die Umsetzungshilfe geht erläuternd auf die technischen Details der einzelnen Maßnahmen ein. Beide zusammen liefern:

  • Diagnose des Ist-Zustands: Wie ist der aktuelle energetische Zustand, von der Dämmung bis zur Heiztechnik?
  • Maßnahmenvorschläge: Konkrete Schritte, mit denen Sie Energie sparen.
  • Prioritäten und Reihenfolge: Eine sinnvolle Abfolge, weil sich nicht alles gleichzeitig umsetzen lässt.
  • Wirtschaftlichkeit: Welche Kosten entstehen, welche Einsparungen sind realistisch?
  • Zeitliche Planung: Maßnahmen so geordnet, dass sie finanziell tragbar bleiben.

Was kostet ein iSFP, und was bleibt nach Förderung übrig?

Die Bruttokosten für einen iSFP liegen für ein Ein- oder Zweifamilienhaus typischerweise bei rund 1.600 bis 2.000 Euro, für größere Objekte bis etwa 2.500 Euro. Das ist aber nicht der Betrag, den Sie am Ende zahlen.

Das BAFA fördert die Energieberatung mit iSFP über das Programm „Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude" mit 50 Prozent des Beratungshonorars. Der maximale Zuschuss beträgt 650 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser und 850 Euro für Wohngebäude ab drei Wohneinheiten. Wünscht eine Eigentümergemeinschaft eine zusätzliche Erläuterung in einer Versammlung, ist ein ergänzender Zuschuss von bis zu 250 Euro vorgesehen.

Unterm Strich bleibt für ein typisches Einfamilienhaus oft ein Eigenanteil im Bereich von rund 1.000 bis 1.150 Euro. Und selbst dieser Betrag ist gut investiert, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Der eigentliche Hebel: 5 % Bonus und doppelte Fördergrenze

Der wahre Wert des iSFP liegt nicht im Dokument selbst, sondern in zwei Effekten, die er bei späteren Sanierungsmaßnahmen auslöst.

Erstens der iSFP-Bonus. Setzen Sie eine Einzelmaßnahme um, die in Ihrem iSFP empfohlen wurde, etwa eine Dämmung oder einen Fenstertausch, erhalten Sie 5 Prozentpunkte zusätzliche Förderung. Aus der Grundförderung von 15 Prozent werden so 20 Prozent. Eine wichtige Ausnahme: Für den reinen Heizungstausch gilt dieser 5-Prozent-Bonus nicht, denn die Heizungsförderung läuft über ein eigenes System mit eigenen Boni.

Zweitens, und oft noch wertvoller, die Verdopplung der förderfähigen Kosten. Ohne iSFP liegt die Höchstgrenze der förderfähigen Ausgaben bei 30.000 Euro pro Wohneinheit und Jahr. Mit iSFP verdoppelt sie sich auf 60.000 Euro pro Wohneinheit. Bei umfangreichen Sanierungen ist dieser Effekt erheblich.

Rechenbeispiel: Dachsanierung mit und ohne iSFP

Wie groß der Unterschied wirklich ist, zeigt ein konkretes Beispiel. Wir gehen von der Dachsanierung eines Einfamilienhauses mit Gesamtkosten von 62.000 Euro aus.

Ohne iSFP: Förderfähig sind nur 30.000 Euro. Darauf gibt es 15 Prozent Grundförderung, also 4.500 Euro. Ihr Eigenanteil: 57.500 Euro.

Mit iSFP: Die Fördergrenze ist auf 60.000 Euro verdoppelt. Auf diese 60.000 Euro gibt es 15 Prozent Grundförderung (9.000 Euro) plus 5 Prozent iSFP-Bonus (3.000 Euro), zusammen 12.000 Euro. Ihr Eigenanteil sinkt auf 50.000 Euro.

Der Unterschied beträgt 7.500 Euro mehr Förderung allein bei dieser einen Maßnahme. Dem stehen iSFP-Eigenkosten von rund 1.000 Euro gegenüber. Genau deshalb sagt die Branche: Der iSFP rechnet sich oft schon nach der ersten umgesetzten Sanierung.

Kleineres Beispiel: Fenstertausch

Auch im Kleinen lohnt es sich. Sie tauschen Ihre Fenster für 10.000 Euro. Ohne iSFP erhalten Sie 15 Prozent, also 1.500 Euro. Wurde der Fenstertausch im iSFP empfohlen, kommen 5 Prozent Bonus hinzu, weitere 500 Euro. Schon bei dieser einen kleinen Maßnahme holen Sie einen erheblichen Teil der iSFP-Kosten direkt wieder rein.

Wie lange ist ein iSFP gültig, und besteht eine Umsetzungspflicht?

Ein iSFP ist 15 Jahre lang gültig, und es besteht keinerlei Pflicht, die empfohlenen Maßnahmen umzusetzen. Das gibt Ihnen maximale Flexibilität: Sie entscheiden innerhalb dieses Zeitraums frei, ob, wann und welche Maßnahmen Sie angehen. Während dieser gesamten 15 Jahre profitieren Sie vom iSFP-Bonus. Wichtig ist nur, dass Maßnahmen, die nach Ablauf der 15 Jahre umgesetzt werden, keinen Bonus mehr erhalten.

Wie läuft die Erstellung ab?

Der Ablauf ist klar geregelt und folgt mehreren Schritten:

  • Erstkontakt und Zielklärung: Sie schildern Ihre Wünsche, Erwartungen und Prioritäten.
  • Vor-Ort-Begehung: Der Energieberater ermittelt den energetischen Ist-Zustand (Dach, Fassade, Fenster, Heizsystem) und klärt technische Fragen direkt vor Ort.
  • Datenerhebung und Prüfung: Baupläne, Energieabrechnungen und vorhandene Berechnungen werden ausgewertet.
  • Auswertung und Konzeption: Mit zertifizierter Software wird ermittelt, welche Maßnahmen wie viel Einsparpotenzial bringen und welche Kombinationen am wirtschaftlichsten sind.
  • Präsentation und Übergabe: Sie erhalten die beiden Dokumente, deren Inhalte ausführlich erläutert werden.

Wichtig zur Reihenfolge: Der Förderantrag für die Energieberatung wird gestellt, bevor es losgeht. Erst nach der Förderzusage beginnt die eigentliche Beratung. Abgeschlossen ist der iSFP, sobald Sie beide Dokumente und die abschließende Erläuterung erhalten haben. Danach wird gemeinsam die Verwendungsnachweiserklärung unterzeichnet und beim BAFA eingereicht.

Wer darf einen förderfähigen iSFP erstellen?

Ein iSFP ist nur förderfähig, wenn er von einem speziell zugelassenen Energieberater erstellt wird, der auf der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes geführt wird. Das ist kein bürokratisches Detail, sondern entscheidend: Ein iSFP von einem nicht gelisteten Anbieter ist weder BAFA-gefördert noch Grundlage für den 5-Prozent-Bonus bei späteren Maßnahmen.

Eine wichtige Aktualisierung: Die KfW fördert den iSFP nicht mehr. Die Förderung der Energieberatung mit Sanierungsfahrplan läuft ausschließlich über das BAFA. Achten Sie bei der Auswahl konsequent auf die dena-Listung oder die Eintragung in der offiziellen Expertenliste.

Lohnt sich der iSFP für Sie?

Für die allermeisten Eigentümer, die in den nächsten Jahren ohnehin sanieren wollen, lautet die Antwort klar ja. Der Eigenanteil ist überschaubar, der Bonus-Effekt und die verdoppelte Fördergrenze überwiegen die Kosten in fast allen realistischen Szenarien. Zusätzlich bekommen Sie einen klaren, geprüften Fahrplan statt einer Bauchentscheidung.

Weniger sinnvoll ist der iSFP nur, wenn Sie sicher sind, in den nächsten 15 Jahren gar keine geförderte Maßnahme umzusetzen. In jedem anderen Fall ist er einer der wenigen Schritte in der Sanierungswelt, bei dem die Rechnung fast immer aufgeht.

Wir erstellen individuelle Sanierungsfahrpläne für Hauseigentümer in Ostwestfalen-Lippe, dena-gelistet, mit kompletter BAFA-Antragstellung und einem Plan, der zu Ihrem Budget passt. Ein kostenloses Erstgespräch klärt, ob und wie sich der iSFP für Ihr Gebäude rechnet.

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