Am 12. August 2026 hat das Bundeskabinett eine Reform des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) auf den Weg gebracht: Der CO2-Preis für Heizöl und Erdgas soll auch 2027 im bestehenden Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne bleiben, statt wie ursprünglich möglich auf bis zu 75 bis 85 Euro zu steigen. Die abschließende Beratung im Bundestag steht für den Herbst 2026 an, die Grundsatzentscheidung ist damit aber gefallen.
Für alle, die fossil heizen oder gerade über einen Heizungstausch nachdenken, stellt sich die Frage: Was bedeutet das konkret für die Heizkosten, und ändert die Entscheidung etwas an der Empfehlung, jetzt auf eine klimafreundliche Heizung umzusteigen? In diesem Artikel ordnen wir die Zahlen ein und zeigen, warum die Ruhe an der CO2-Preis-Front eher ein Zeitfenster als eine Entwarnung ist.
Seit 2021 müssen Anbieter von Heizöl und Erdgas in Deutschland CO2-Zertifikate über das nationale Emissionshandelssystem (BEHG) erwerben und geben die Kosten über den Brennstoffpreis an Verbraucher weiter. Zwischen 2021 und 2025 stieg der Preis in festen Stufen von 25 auf 55 Euro pro Tonne CO2. Seit 2026 befindet sich das System in einer Übergangsphase: Der Preis wird nicht mehr fix vorgegeben, sondern über die Versteigerung einer begrenzten Zertifikatsmenge innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro pro Tonne ermittelt.
Ab 2028 löst der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (EU-ETS2) das nationale System ab. Der Systemwechsel war ursprünglich für 2027 vorgesehen, wurde aber mit dem TEHG-Europarechtsanpassungsgesetz vom März 2025 EU-weit um ein Jahr verschoben. Mit dem EU-ETS2 entfällt der nationale Preiskorridor, der Preis bildet sich dann frei über Angebot und Nachfrage am europäischen Zertifikatemarkt, ohne gesetzliche Ober- oder Untergrenze.
Im laufenden Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne macht der CO2-Preis derzeit bis zu 1,55 Cent pro Kilowattstunde Erdgas und bis zu 20,70 Cent pro Liter Heizöl aus, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Je nach Gebäudezustand und Verbrauch ergeben sich daraus spürbar unterschiedliche Jahreskosten allein durch die CO2-Komponente:
Diese Kosten kommen zusätzlich zum reinen Brennstoffpreis und sind bereits Teil Ihrer heutigen Gas- oder Ölrechnung. Bleibt der Korridor 2027 tatsächlich stabil, ändert sich an dieser Größenordnung vorerst wenig.
Ohne die Reform wäre der CO2-Preis 2027 nach dem bisherigen gesetzlichen Pfad voraussichtlich auf 75 bis 85 Euro pro Tonne gestiegen, ein Sprung von bis zu 30 Euro innerhalb eines Jahres. Die Bundesregierung begründet das Einfrieren vor allem damit, dass der EU-weite Start des EU-ETS2 ohnehin erst 2028 erfolgt und ein nationaler Alleingang mit deutlich höheren Preisen deutsche Verbraucher im Vergleich zum EU-Ausland einseitig belastet hätte.
Die Grünen kritisierten den Schritt im Kabinett als klimapolitisch falsches Signal und forderten stattdessen ein sozial gestaffeltes Klimageld, das einkommensschwache Haushalte gezielt entlastet, ohne den Preisanreiz zum Energiesparen zu schwächen. Die CDU verteidigte die Entscheidung mit Verweis auf die europäische Verschiebung und die Belastung vieler Haushalte durch die Energiepreise der vergangenen Jahre. Da der Bundestag der Reform im Herbst 2026 noch zustimmen muss, gilt der Korridor für 2027 zum jetzigen Zeitpunkt als politisch vereinbart, aber formal noch nicht endgültig beschlossen.
Die eigentliche Weichenstellung liegt nicht in 2027, sondern ein Jahr später. Mit dem Start des EU-ETS2 2028 fällt die nationale Preisbremse weg, und Marktanalysen gehen überwiegend von deutlich steigenden Preisen aus. Verschiedene Studien schätzen den CO2-Preis bis 2030 auf 95 bis 300 Euro pro Tonne, je nach Annahmen zu Zertifikatsangebot und Konjunktur, bis 2045 werden in einzelnen Szenarien sogar 275 bis 355 Euro pro Tonne diskutiert. Die Bandbreite ist groß, die Richtung ist es nicht: Ohne politische Deckelung wird CO2-neutrales Heizen gegenüber Öl und Gas wirtschaftlich immer attraktiver.
Das Analyseportal co2online rechnet vor, dass bereits ein Preis von 75 Euro pro Tonne, ein Wert, der ohne die Reform schon 2027 erreicht worden wäre, die jährlichen Heizkosten eines Haushalts um rund 70 Euro erhöht. Ein Teil der zusätzlichen Einnahmen soll über einen Klimafonds an Verbraucher zurückfließen, verbindlich zugesagt ist ein pauschales Klimageld für alle Haushalte bislang aber nicht.
Für Eigentümer, die einen Heizungstausch oder eine Sanierung erwägen, ergeben sich aus der aktuellen Lage vor allem drei Punkte:
Erstens: Die CO2-Kosten für 2027 sind kalkulierbar und steigen nicht sprunghaft. Das ist eine Entlastung, aber keine Entwarnung, denn ab 2028 verliert die Politik mit dem EU-ETS2 einen wesentlichen Teil ihres Einflusses auf die Preisentwicklung.
Zweitens: Während der CO2-Preis pausiert, läuft die BEG-Förderung bereits jetzt planmäßig zurück. Wie wir im Beitrag zur BEG-Reform 2026 erläutert haben, sinkt der Klimageschwindigkeitsbonus für den Austausch alter Öl- und Gasheizungen seit Juli 2026 von 20 auf 16 Prozent und wird ab dem 1. Februar 2027 alle sechs Monate um weitere 4 Prozentpunkte abgeschmolzen, bis er voraussichtlich 2028 vollständig entfällt. Die Förderhöchstgrenzen sinken im selben Rhythmus.
Drittens: Beide Entwicklungen zusammen ergeben ein enges Zeitfenster. Aktuell treffen die höchste noch verfügbare Förderung und die niedrigsten absehbaren CO2-Kosten der kommenden Jahre zusammen. Wer den Heizungstausch ohnehin plant, sichert sich mit einem Antrag in den kommenden Monaten die besten Konditionen auf beiden Seiten, bevor die Förderung weiter sinkt und der CO2-Preis mit dem EU-ETS2 dem Markt überlassen wird.
Ein Hinweis zur Verbindlichkeit: Die Reform des BEHG war zum Zeitpunkt dieses Artikels vom Bundeskabinett beschlossen, aber noch nicht final vom Bundestag verabschiedet. Rechtlich maßgeblich sind der endgültige Gesetzestext sowie die Veröffentlichungen des Bundesfinanzministeriums und der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) zum Zeitpunkt Ihrer Planung.
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