Wer als Familie ein altes, unsaniertes Haus kaufen möchte, hat mit dem KfW-Kredit 308 „Jung kauft Alt“ ein Programm, das den Kaufpreis mit einem vergünstigten Zinssatz finanziert. Seit dem 3. August 2026 gelten verbesserte Bedingungen: höhere Kreditbeträge und mit den Einzelmaßnahmen ein zweiter, oft pragmatischerer Weg bei der Sanierung. Dieser Artikel erklärt, wer das Programm nutzen kann, wie der Ablauf aussieht, welche Sanierungsmöglichkeiten Ihnen offenstehen und wie sich der Kredit mit der BEG-Förderung kombinieren lässt.
Das Programm „Wohneigentum für Familien – Bestandserwerb“ (KfW 308), im Alltag meist „Jung kauft Alt“ genannt, fördert den Kauf einer sanierungsbedürftigen Bestandsimmobilie durch Familien mit Kindern. Es handelt sich um einen zinsvergünstigten Kredit, nicht um einen Zuschuss. Die Gegenleistung für den günstigen Zins: Sie verpflichten sich, das Haus innerhalb einer festen Frist energetisch zu sanieren.
Seit dem 3. August 2026 gelten höhere Obergrenzen. Der Kredit ist zusätzlich auf den Kaufpreis begrenzt.
Wichtig: Finanziert wird der Kaufpreis einschließlich Grundstück. Die Sanierungskosten, Notar, Makler und Grunderwerbsteuer sind nicht Teil des KfW-Kredits. Dafür müssen Sie eigene Mittel oder eine ergänzende Finanzierung einplanen. Der Zins orientiert sich am Kapitalmarkt und wird in der ersten Zinsbindung mit Bundesmitteln vergünstigt. Den tagesaktuellen Satz finden Sie auf den Konditionenseiten der KfW oder bei Ihrem Finanzierungspartner. Sondertilgungen sind bei diesem Programm nicht möglich.
Die wichtigste Regel steht am Anfang: Der Kreditantrag muss bei der KfW eingegangen sein, bevor der notarielle Kaufvertrag unterschrieben wird. Die Unterschrift gilt als Vorhabenbeginn, maßgeblich ist das Eingangsdatum bei der KfW. Wer diese Reihenfolge verletzt, verliert den Anspruch. Ein Kaufvertrag, der unter dem Vorbehalt der KfW-Zusage geschlossen wird, gilt nicht als vorzeitiger Vorhabenbeginn.
Der klassische Weg ist die Sanierung zu mindestens Effizienzhaus 85 mit Erneuerbare-Energien-Klasse (EE). Bei Denkmalen gilt der Standard Effizienzhaus Denkmal EE. Das Zielniveau wurde im Oktober 2025 von Effizienzhaus 70 EE auf 85 EE abgesenkt und ist damit leichter zu erreichen als früher. Der Weg passt, wenn das Haus insgesamt einen hohen Sanierungsbedarf hat und Sie die Maßnahmen als abgestimmtes Gesamtpaket planen möchten. Ein Energieeffizienz-Experte ist hier verpflichtend und muss unabhängig von Verkäufer und Ausführenden beauftragt werden.
Seit August 2026 können Familien statt der Effizienzhaus-Sanierung qualifizierte Einzelmaßnahmen umsetzen. Verlangt werden folgende Bausteine, soweit sie nicht bereits erfüllt sind:
Dabei gelten die Mindestanforderungen der Einzelmaßnahmen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM). Bereits sanierte Bauteile müssen nicht erneut angefasst werden, und Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien oder ein Anschluss an ein Wärmenetz sind vom Heizungstausch ausgenommen. Wer für die Einzelmaßnahmen zusätzlich BEG-Fördermittel beantragen möchte, benötigt weiterhin einen Energieeffizienz-Experten.
Der Einzelmaßnahmen-Weg ist vor allem interessant, wenn das Haus schon teilweise saniert ist oder Sie die Arbeiten Schritt für Schritt und mit weniger Planungsaufwand umsetzen möchten. Er ist aber nicht automatisch günstiger: Alle vier Bausteine sind verpflichtend, sofern sie noch nicht erfüllt sind.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Als Orientierung: Bei einem weitgehend unsanierten Haus mit hohem Gesamtbedarf lohnt der Vergleich mit dem Effizienzhaus 85 EE, weil die Maßnahmen dann als Gesamtkonzept abgestimmt werden. Bei einem Haus, in dem Fenster oder Heizung bereits erneuert wurden, kann der Einzelmaßnahmen-Weg deutlich schlanker sein. Entscheidend sind der konkrete Bestand und die Kosten, deshalb sollten Sie beide Varianten vor dem Kauf durchrechnen lassen.
Der KfW-Kredit 308 deckt nur den Kaufpreis, nicht die Sanierung. Für die Sanierung selbst können Sie parallel Kredite oder Zuschüsse der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) nutzen. Das Merkblatt der KfW lässt die Kombination ausdrücklich zu, solange die Summe aller Förderungen die förderfähigen Kosten nicht übersteigt. In der Praxis arbeiten Sie also mit zwei Töpfen: Der Kredit 308 finanziert das Haus, die BEG senkt die Kosten der Sanierung.
Wer zum Effizienzhaus saniert, kann die Sanierungskosten über einen BEG-Kredit für die Effizienzhaus-Sanierung (KfW 261) finanzieren. Eine häufig genutzte Kombination ist daher der Kredit 308 für den Kaufpreis und der Kredit 261 für die Sanierung. Beachten Sie dabei, dass sich die Tilgungszuschüsse mit der Reform seit Juli 2026 geändert haben: Für Effizienzhaus 85 EE sieht die aktuelle Systematik keinen Tilgungszuschuss mehr vor, höhere Zuschüsse gibt es erst bei den anspruchsvolleren Stufen 55 EE und 40 EE. Lassen Sie vorab rechnen, ob sich die Mehrinvestition in eine bessere Stufe lohnt.
Der KfW-Kredit 308 ist für Familien einer der günstigsten Wege zum eigenen Haus, wenn man bereit ist, einen Altbau zu sanieren. Mit den höheren Kreditbeträgen und den neuen Einzelmaßnahmen ist das Programm seit August 2026 flexibler geworden, und in Kombination mit der BEG-Förderung für die Sanierung lässt sich die Gesamtinvestition deutlich senken. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst Eignung und Sanierungsweg klären, dann den Kreditantrag stellen, dann den Kaufvertrag unterschreiben und danach die BEG-Anträge vor jeder Beauftragung einreichen.
Die WattNavigator Energieberater begleiten Familien in Gütersloh, Bielefeld, Lemgo, Detmold und Umgebung schon vor dem Kauf: von der energetischen Ersteinschätzung des Objekts über den Vergleich der beiden Sanierungswege bis zur Beantragung der BEG-Förderung.
Hinweis: Alle Angaben beziehen sich auf den Stand Oktober 2026 und ersetzen keine individuelle Beratung. Maßgeblich sind das aktuelle KfW-Merkblatt, die BEG-Richtlinien und die Auskunft Ihres Finanzierungspartners.
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